Leitfaden wissenschafltiches Arbeiten

© Prof. Dr. Oliver A. Gansser | | www.gansser.de

Stand: April 2021

Änderungen vorbehalten

Anmerkung: Dieser Leitfaden ersetzt nicht das Lesen der Pflichtliteratur, sondern dient lediglich einem groben und schnellen Überblick über die Vorgehensweise beim wissenschaftlichen Arbeiten.

0.2 Thema der Arbeit

Grundsätzlich sollte das Thema eine aus der Praxis abgeleitete Problemstellung beinhalten, dessen Lösung von vornherein nicht trivial ist. Trivial ist z. B. die Erstellung eine Marketingplanes für das eigene Unternehmen oder irgendwelche anderen praktischen Problemstellungen die normalerweise vom Unternehmen gelöst werden sollen. Bei der eigenen Problemstellung sollte es sich vielmehr um eine generelle Lösung handeln, die dann in der Praxis von Unternehmen in unterschiedlichen Branchen oder Stufen (bei Dienstleistungen) umgesetzt werden kann.

Grundsätzlich empfehle ich bei der Lösung von abgeleiteten Problemen aus der Praxis nicht die Zusammenarbeit mit einem Unternehmen, da dies die eigene Freiheit und Kreativität eingrenzt. Sollte die Zusammenarbeit mit einem Unternehmen gewünscht sein, bleibt oftmals nur die Möglichkeit die wissenschaftliche Arbeit von der Dokumentation für das Unternehmen zu trennen, da es für beide unterschiedliche Ansprüche gibt.

0.3 Grundlegendes zu wissenschaftlichem Arbeiten

  1. Die schriftliche Arbeit hat eine reine Mitteilungsfunktion, und ist kein Lehrbuch. Vermeiden Sie also Lehrbuchwissen und insbesondere Details zu mathematischen oder statistischen Verfahren, außer diese sind im Rahmen des Themas von Besonderem Interesse. Die Kapitel der Arbeit entsprechen der hier aufgeführten Systematik, so dass Sie sich im Voraus keine Gedanken über die Gliederung machen müssen. Wichtig ist der Inhalt.

  2. Während der Betreuung sind ständige Detailfragen nicht vorgesehen. Gefragt ist selbstständiges wissenschaftliches Arbeiten. Nutzen Sie die an der FOM angebotenen Seminare zur Bachelor- oder Masterthesis, um Ihren Arbeitsstand zu diskutieren.

  3. Bitte beachten Sie unbedingt die Hinweise zur Literaturrecherche.

0.3.1 Formales

  • Der Begriffsapparat ist möglichst knapp zu halten, eine theoretische Variable oder ein Indikator erhalten jeweils einen durchgängig gebrauchten Namen.
  • Aufgeblähten Pseudo-Wissenschaftsstil vermeiden. Einfach und konkret schreiben.
  • Auf Orthographie ist zu achten.
  • Eine zeitgemäß politisch korrekte, nichtdiskriminierende Sprache verwenden (z.B. Fachleute statt Fachmann), ohne die Lesbarkeit zu beeinträchtigen (nicht: “dass der/die Übersetzer/in seine/ihre Meinung”).
  • Möglichst neutrale, sachliche Formulierungen verwenden.
  • Übertreibungen (hype) vermeiden, Superlative nur sparsam und bei Bedarf einsetzen, da sie Widerspruch provozieren und die Arbeit unnötig anfechtbar machen.
  • Gedanke des Lesers anhand eines roten Fadens klar durch die Arbeit führen.
  • Bei der Themenentfaltung auf eine sachlogische Absatzgliederung achten und nicht jeden komplexen Satz zu einem eigenen Absatz machen. Auf der anderen Seite ab auch nicht zu lange Absätze formulieren.
  • Parenthesen (d.h. Einschübe in Klammern oder Gedankenstrichen) grundsätzlich nur in der Funktion einer Erklärung, eines Kommentars oder für Quellenangaben verwenden und nur so einsetzen, dass durch sie die Lesbarkeit und Textverständlichkeit erleichtert und nicht erschwert wird.
  • Modische Fremdwörter in der wissenschaftlichen Darstellung vermeiden.
  • Englischsprachige übliche Begriffe können in der Arbeit auch so verwendet werden, dann aber einheitlich und konsistent.
  • Weitschweifigkeiten und Stilschwankungen vermeiden.
  • Funktionsverbgefüge eher vermeiden (nicht: zur Anwendung bringen, sondern: anwenden). Hier wieder der Hinweis:

Wissenschaftliche Sprache ist einfach, klar, verständlich und eindeutig.

  • Spiegelstrichaufzählungen nicht in einen Satz einbetten, sondern ggf. an einen Doppelpunkt anschließen. Vor dem Doppelpunkt kann dann auch zitiert werden.
  • Alle Wörter und Silben aus dem Text entfernen, die an der beabsichtigten Aussage nichts ändern (z.B. nicht Abminderung sondern Minderung; nicht beinhaltet, sondern enthält; nicht nicht unwesentlich beeinflusst sondern wesentlich beeinflusst).
  • Zu viele Querverweisen führen zum Verlust des Roten Fadens.
  • Texte in Fußnoten sind zu vermeiden. Entweder ist der Text relevant oder er ist unwichtig. Dies hat nichts mit der Zitierweise zu tun.
  • Abkürzungen sind möglichst zu vermeiden (außer für häufig verwendete längere Termini).
  • Texte sind 1 1/2-zeilig zu schreiben (sonstige Formatierung, z. B. Seitenabstand, Schriftart ist egal, sollte aber in jedem Fall der guten Lesbarkeit dienen)
  • Seiten sind zu nummerieren.
  • Negativbefunde (Es kommt nicht das raus was Sie sich erwartet haben) werden ebenso bewertet wie Positivbefunde. Jedes Ergebnis ist gleich gut!
  • Der Text ist gut leserlich abzufassen (Formulierung, Satzbau, Abschnitte).
  • Bitte nicht in der ersten Person singular oder plural (Ich-Form oder Wir-Form) schreiben, sondern im Indikativ oder Passiv. Erste Person kann in Maßen zulässig sein zur Markierung eigener Positionen.
  • Auf keinen Fall in der dritten Person singular als Verweis auf sich selbst schreiben (nicht: “die Autorin/der Autor meint”).

0.3.2 Inhaltliches

  • Was nicht der Beantwortung der in der Einleitung formulierten Problemstellung oder Fragestellung dient, ist völlig überflüssig und hat in den weiteren Teilen der Arbeit nichts zu suchen.

  • In den Anhang können nur Fragebögen gestellt werden, keinesfalls jedoch Tabellen und Abbildungen, auf die im Text verwiesen wird, oder Computerauswertungen. Entweder sind Tabellen oder Abbildungen für die Ausführungen wichtig; oder sie sind es nicht, dann gehören sie auch nicht in den Anhang.

  • Empirische Arbeiten basieren auf Daten. Eine Arbeit, die nicht die adäquaten statistischen Analysen enthält, wird von vornherein nicht mit sehr gut bewertet. Ergebnisse sind in entsprechender Form darzustellen und zu interpretieren.

  • Wissenschaftliche Arbeiten, die benotet werden, sind Prüfungsunterlagen. Kein Dritter mit Ausnahme der Korrektoren hat Zugang und Einsichtmöglichkeit in die Texte.

  • Literaturverzeichnis und zitierte Literatur müssen übereinstimmen. Verwendete Literatur muss im Text entsprechend direkt oder indirekt zitiert werden. Zweitzitate sind zu vermeiden. Zweitzitate (die in jedem Fall zu vermeiden sind) bestehen darin, dass Quelle A aus Quelle B zitiert wird, ohne Quelle A selbst gelesen zu haben.

  • Längere Textpassagen aus anderen Texten sind nicht wörtlich zu zitieren (Ausnahme: Tabelle, Abbildung).

  • Texte sind nicht im Sportreporter-Stil abzufassen.

  • Begriffe wie Signifikanzniveau oder Hypothesen sind eindeutig definiert und müssen auch in diesem Sinne verwendet werden.

  • Auf logische, kohärente, widerspruchsfreie Darstellung in der gesamten Arbeit achten.

0.3.3 Grafik/Abbildungen/Tabellen

  • Abbildungen mit dem Fließtext an der entsprechenden Stelle verbal verknüpfen.
  • Abbildungen dienen zur einfacheren und übersichtlicheren Erfassung des geschriebenen Textes und wo eine verbale Darstellung alleine ungeeignet oder umständlich ist oder nicht ausreicht.
  • Keine Abbildungen verwenden, die lediglich schmückendes Beiwerk sind. -Abbildungen stets selbst erstellen und nicht einfach aus dem Internet oder einem Buch kopieren. Abbildungen sollen das eigene Geschriebene besser verdeutlichen und nicht eine Kopie aus einer anderen Quelle erklären.
  • Bei Abbildungen nach Möglichkeit Schwarz/Weiß-Strichzeichnungen verwenden.
  • Bei unvermeidlichen Grauflächen darauf achten, dass sie auch gedruckt noch differenzierbar sind.
  • Text und Abbildungsbeschriftungen nicht mit Grauflächen unterlegen.
  • Wo Text auf Grauflächen unvermeidbar ist, auf ausreichenden Kontrast und gute Lesbarkeit achten.
  • Abbildungsgröße so bemessen, dass das Wesentliche gut erkennbar ist - im Zweifel eher zu groß als zu klein.
  • Abbildungen einheitlich im Seitenlayout platzieren - vorzugsweise horizontal zentriert.
  • Die Linienbreite in den einzelnen Abbildungen möglichst einheitlich wählen.
  • Tabellen klar strukturieren und platzsparend formatieren.
  • Seitenumbruch innerhalb von Tabellen vermeiden. Hier ist eigenes Augenmaß und gesunder Menschenverstand gefragt.
  • Tabellen und Abbildungen auf keinen Fall quer auf die Seiten einfügen. Das macht das Lesen am Bildschirm völlig unmöglich. Hier ist die Kreativität des Schreibenden gefragt.
  • Abbildungen und Tabellen (automatisch) nummerieren und für die ganze Arbeit durchnummerieren (Abb. 1, Abb. 2 …. Abb. 54), nicht kapitelweise (Abb. 2-1, Abb. 2-2, … Abb. 4-1, … Abb. 4-15).
  • Abbildungen und Tabellen mit Titeln versehen und in separaten Verzeichnissen auflisten.
  • Abbildungen mit Anmerkungen/Notizen als Legende versehen (für Abkürzungen oder Erläuterungen von Inhalten).
  • Übereinstimmung der Verzeichnisse mit den tatsächlichen Platzierungen sicherstellen.
  • Bei Abbildungen, die nicht selbst erstellt oder durch Eigenleistung (z.B. durch Einarbeitung von Bezugspfeilen, Legenden) bearbeitet wurden, die Quelle angeben (im Abb.-Verzeichnis). Aber nur dann!

0.3.4 Zitierweise

Es dürfen im Literaturverzeichnis nur diejenigen Quellen aufgelistet sein, die in der Arbeit zitiert worden sind.

Umgekehrt müssen alle im Text zitierten Quellen auch im Literaturverzeichnis gelistet sein. Wörtliche Zitate sind zu vermeiden.

im Satz bzw. im Text: (vgl. Autor Jahr, S. …), oder … (Autor Jahr, S. …)

also z. B. (vgl. Huber 1999, S. 12) => Zitat sinngemäß (Huber 1999, S. 12) => Zitat wörtlich

mit Fußnoten

also z. B. 1 vgl. Huber 1999, S. 12. => Zitat sinngemäß 1 Huber 1999, S. 12. => Zitat wörtlich

für beide Zitierweisen gilt:

Wörtliche Zitate sind in Hochkommata zu setzen.
Sinngemäße Zitate sind durch das Vorausstellen von “vgl.” zu kennzeichnen. Wörtliche Zitate nicht.

Bei zwei Autoren (Autor1 und Autor1, S. XX) Bei mehr als zwei Autoren (Autor1 et al., S. XX)

Die Autoren sind so zu übernehmen, wie sie in dem zitierten Artikel auch namentlich genannt sind. Eine Veränderung der Reihenfolge ist nicht zulässig. Sollten Artikel von gleichen Autoren im gleichen Jahr zitiert werden sind dies mit a,b, etc. hinter der Jahreszahl zu versehen.

0.3.5 Literaturverzeichnis (Achtung: Es gibt nur ein Verzeichnis, das nicht untergliedert wird)

Abhängig von der Art der Quelle sind unterschiedliche Publikationen auch unterschiedliche im Literaturverzeichnis aufzunehmen:

Monographien:

Huber, A. (1999): Auswirkungen von Wärme auf das Wachstum von Gänseblümchen, 3. Auflage, München.

Texte aus Sammelbänden:

Müller, A. G.; Hauser, Z. (1955): Wärme und Wachstum, in: Albert, Z. V. (Hrsg.), Technik der Produktion, 2. Auflage, Hamburg, S. 12-22.

Texte aus Zeitschriften:

Zimmer, G.; Raum, A. (1972): Einkommen und Ernährung, in: Zeitschrift für die Hausfrau, Bd. 7 (oder Jg. 7 oder Vol. 7), Nr. 4, S. 13-17.

Das Literaturverzeichnis ist alphabetisch nach Autoren (ohne Unterteilung in Monographien, Zeitschriften usw.) anzulegen.

Sollte für eine Quelle kein Verweis auf einen Autor möglich sein, so ist dies folgendermaßen anzugeben:

o.V. (2012): Titel und Quelle.

Texte aus dem Internet:
Grundsätzlich sind Zitate aus dem Internet zu vermeiden, da hier meistens kein Autor angegeben ist. Alternativ könnte der Verantwortlich der Internetseite (Impressum) zitiert werden. Ansonsten o.V.

Grundsätzlich sollte man die Richtigkeit von Quellen ohne Autoren anzweifeln. In der Regel werden wissenschaftlich gehaltvolle Inhalte immer mit Angabe des Autors versehen.

0.4 Organisatorisches

  • Prüfungsunterlagen zu wissenschaftlichen Arbeiten bitte nur in elektronischer Form abgeben (uploaden).

  • Die Arbeit gilt nur als abgegeben, wenn Sie zwei Dateien fristgerecht hochladen:

Die Arbeit (als PDF), Eine Zip-Datei mit den Rohdaten (als .Rdata und als .csv), dem Codebook (in Soscisurvey die Variablenliste) mit nachvollziehbarer Codierung der Variablen im Datensatz und dem R-Skript.

0.4.1 Meetings

Während der Betreuung der Abschlussarbeit gibt es im Idealfall 3 Meetings:

  1. Zum Kickoff-Meeting bringen Sie bitte Ihr Konzept ausgedruckt und die wesentliche Literatur für Ihre Arbeit (Fachartikel) mit. Ein Vorschlag ohne umfangreiche vorherige Literaturrecherche wird abgelehnt.
  2. Meeting für die Genehmigung des Designs der Studie, ggf. mit Fragebogen.
  3. Datensichtung und Besprechung der weiteren Vorgehensweise nach Beendigung der Erhebungsphase.

Für eine Abschlussarbeit ist ein ein- bis zweiseitiges Konzept einzureichen, das stichpunktartig die

Problemstellung (s. u.) geeignete theoretische Erklärungsansätze (aus Fachzeitschriften),
Literatur (Fachzeitschriften) und
ein Grobkonzept mit der verwendeten Methodik.

beinhaltet.

Eine Idee (“Ich habe mir folgendes überlegt”) eignet sich nicht für ein Kickoff-Meeting. Ihre eigenen Überlegungen sind in dieser Phase nur relevant, wenn Sie sich vorher in der relevanten Fachliteratur eingelesen haben.

0.4.2 Bewertung der Qualität der Arbeit

Sie bemisst sich daran, inwieweit die Problemstellung durch die Arbeit beantwortet werden kann.

  1. Inwieweit wurden die Vorgaben aus dem Leitfaden sinnvoll umgesetzt?
  2. Weist die Arbeit einen „roten Faden“ auf?
  3. Inwieweit wurde der Stand der Forschung adäquat dargestellt?
  4. Inwieweit wurden anhand theoriebasierter Überlegungen Hypotheses abgeleitet?
  5. Inwieweit eignet sich die durchgeführte Studie zur Klärung der zentralen Problemstellung/Forschungsfrage?
  6. Wurden für die Überprüfung der Hypothesen die Konstrukte adäquat operationalisiert?
  7. Wurden geeignete wissenschaftliche Methoden zur Lösung der Problemstellung angewendet?
  8. Wurden die Ergebnisse interpretiert und in den Stand der Forschung sowie den Theoretischen Überlegungen eingeordnet?
  9. Wurden geeignete Literaturquellen in angemessenem Umfang zitiert?
  10. Wie leserlich ist die Arbeit? (Stil, Form, Rechtschreibung, Zitierweise, Zeichensetzung)

0.4.3 Kolloquium

Wenn Sie die schriftliche Arbeit durch die Begutachtung bestanden haben, dann werden Sie zum Kolloquium eingeladen. Diese Einladung erfolgt, wenn beide Gutachter die Arbeit korrigiert haben und mindestens mit einer 4,0 bewertet haben. Das Kolloquium setzt sich zusammen aus einer Kurzpräsentation (15 min) und einem anschließenden Fachgespräch.

Tipps zum Kolloquium:

  • Mögliche Gliederung Ihrer Kurzpräsentation: Problemstellung, Forschungsfrage, Vorgehensweise, Methodik, Studiendesign, Ergebnisse, Projektplan, Literaturbasis

  • Visualisieren Sie Ihre Inhalte! (Keine reinen Textfolien)

  • Denken Sie daran, dass Ihre Präsentation als Diskussionsgrundlage für den weitere Verlauf des Kolloquiums dient.

0.5 Gliederung, Aufbau und Inhalt der Arbeit

Die Gliederung ist an die Gliederung der meisten wissenschaftlichen Veröffentlichungen im Bereich Marketing angelehnt und sollte daher unbedingt eingehalten werden. Änderungen sind mit mir abzusprechen.

  • Darauf achten, dass die durch Gliederungsüberschriften geweckten Erwartungen durch den zugehörigen Text erfüllt werden.
  • Die Gliederung soll dekadisch sein, also 1., 2., 2.1, 2.2, 2.2.1, …
  • Überschriften entweder nicht oder durch Fettdruck oder größere Schrift hervorheben.
  • Zur Hervorhebung von Überschriften weder Kursivschrift noch Unterstreichung noch Sperrung noch eine Mischung verschiedener Schriften verwenden.
  • Überschriften dürfen serifenlos sein (z.B. Arial), wenn der Fließtext serifenbetont ist (z.B. Times New Roman); der umgekehrte Fall ist unüblich.

Die nachfolgenden Gliederung is die Gliederung wie sie üblich ist in wissenschaftlichen Publikationen in den Sozialwissenschaften. Diese Gliederung empfehle ich auch für Haus-, Seminar-, Projekt- und Abschlussarbeiten.

I Inhaltsverzeichnis
II Abbildungsverzeichnis
III Tabellenverzeichnis
IV Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

In diesem Kapitel sind Antworten auf folgenden Fragen zu formulieren (in Anlehnung an Kornmeyer 2012):

  1. Hinführung zum Thema: Warum ist mein Thema interessant, wichtig und spannend – und zwar nicht nur für die Wissenschaft bzw. Forschung, sondern ganz generell für jeden, der meine Arbeit in die Hand nimmt? Mit anderen Worten: Warum lohnt sich die Mühe, meine Studie zu lesen?

  2. Gegenstand, Problemstellung und Ziele der Arbeit: Was ist der eigentliche Gegenstand meiner Arbeit? Warum habe ich mich für eine bestimmte Forschungsfrage (Problemstellung) entschieden bzw. warum ist es wichtig, diese Frage zu beantworten? Welche Ziele verfolge ich mit der Arbeit? Forschungslücke?

Anmerkung: Die Problemstellung Ihrer Forschung kennzeichnet, welche Erkenntnisse zu welchen Aspekten des Untersuchungsgegenstandes auf welcher theoretischen, empirischen und methodischen Basis gewonnen werden sollen. Das Forschungsproblem wird auch oft als Fragestellung einer Studie bezeichnet und in mehrere Forschungshypothesen und/oder Forschungsfragen (s. Kapitel 2 Leitfaden) ausdifferenziert (vgl. Döring und Bortz, S. 144 ff).

  1. Gang der Untersuchung: Wie lässt sich die Methodik beschreiben, mit der ich meine zentrale Forschungsfrage analysiert bzw. beantwortet habe?

  2. Abgrenzung der Arbeit: Muss ich meine Arbeit eingrenzen? Wie kann ich diese Akzentuierung plausibel begründen?

  3. Aufbau der Arbeit: Wie habe ich meine Arbeit aufgebaut? Wie werde ich vorgehen?

Formulieren Sie die Einleitung NICHT erst nach Fertigstellung der eigentlichen Arbeit! Denn über den Inhalt, also Ihren Untersuchungsgegenstand sollten Sie am Ende Ihrer Arbeit nicht mehr wissen als zu dem Zeitpunkt, zu welchem Sie mit dem Schreiben beginnen.

=> Weitere Tipps zur Einleitung

2 Forschungsstand und theoretischer Hintergrund

Um das von Ihnen gewählte Thema zu verorten ist der Stand der Forschung darzulegen. Grundsätzlich gilt, dass Sie bei explorative und deskriptive Studien Ihre Forschungsfragen mit verweisen auf frühere Studien sowie Forschungslücken begründen und Forschungshypothesen in explanativen Studien meist aus Theorien ableiten (vgl. Döring und Bortz 2016, S. 163).

Zum Forschungsstand sind folgende Fragestellungen zu beantworten (vgl. Döring und Bortz 2016, S. 163 ff.):

Wie hat sich die Forschung zum Thema in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten entwickelt?
Welche zentralen Forschungslinien und Befunde zum Thema sind auszumachen?
Welche Anwendungsfelder hat die Forschung zu diesem Themengebiet?
Wie ist der Forschungsstand zum Thema insgesamt zu beurteilen?
Wie ordnet sich die eigene Studie in den Forschungsstand ein?

Für die Durchführung einer eigenen empirischen Studie ist es unabdingbar, auf etablierte theoretische Konzepte/Konstrukte und Modelle zurückzugreifen. Ziel ist es, das in der Problemstellung beobachtete Phänomen aus theoretischer Sicht zu erklären. Dazu müssen Sie durch Literaturrecherche etablierte Theorien, Modelle oder Heuristiken identifizieren und auf Ihre Problemstellung anwenden. Diese müssen nicht unmittelbar aus dem eigenen Forschungsgebiet stammen, sondern können aus anderen Disziplinen adaptiert werden. So kann bspw. die Prospect Theorie aus der Psychologie als Erklärungsansatz im Bereich Finanzierung oder für Verhaltensweisen in der Werbeforschung herangezogen werden. Ebenso kann z. B. die Theorie des Gefangendilemmas, eine Spieltheorie, für die Erklärung der Zusammenarbeit zwischen Organisationen herangezogen werden. Beachten Sie die verschiedenen Vorgehensweisen zur Erarbeitung des theoretischen Hintergrundes (vgl. Döring und Bortz, S. 166ff.):

Reine Theoriearbeit, die verschiedene mehr oder minder etablierte Theorien vergleichend und bewertend einander gegenüberstellt und späteren empirischen Studien als Grundlage dient,
Weiterentwicklung einer einzelnen Theorie auf der Basis empirischer Daten,
Formalisierung einer vorliegenden Theorie durch Computersimulation,
Verknüpfung mehrerer Theorien zu einem integrierten Theoriemodell,
gegenstandsverankerte Theoriebildung mithilfe qualitativer empirischer Methoden,
Entwicklung neuer Theorien mit unterschiedlichen, mehr oder minder systematischen Strategien.

Ausgehend vom theoretischen Hintergrund leiten Sie Forschungsfragen oder
Forschungshypothesen ab. Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Typen von Hypothesen: Unterschiedshypothesen, Zusammenhangshypothesen, Veränderungshypothesen sowie Hypothesen in Einzelfall-Untersuchungen.

3 Methode

3.1 Untersuchungsdesign

Hier soll die methodische Vorgehensweise erläutert werden und die Auswahl einer bestimmten Methode soll begründet werden. Das Untersuchungsdesign der Studie ist zu beschreiben.

=> Übersicht Forschungsmethoden

3.2 Stichprobenbeschreibung

Es ist mindestens anzugeben und zu begründen:

Datenquelle,
Erhebungszeitpunkt,
Erhebungsort,
Stichprobengröße,
Stichprobenzusammensetzung,
Verwendete Skalen (für die Indikatoren bzw. Items).

3.3 Operationalisierung der Modellvariablen

Zur Messung der Modellkonstrukte sollten, wenn möglich keine Statements selbst formuliert werden, sondern Statements aus anderen Studien, unter Angabe der Quellen, übernommen werden. Wenn Sie selbst Items formulieren, sollen diese durch eine Vorstudie auf Validität und Reliabilität überprüft werden. Details sind zu vereinbaren. Idealerweise legen Sie sich eine Liste mit den in der Studie verwendeten Konstrukten an (Konstruktliste) mit der dazugehörigen Quelle und der Reliabilität der Items.

Wenn Sie aus Ihren Quellen zur Theorie und aus dem Stand der Forschung keine geeigneten Items für Ihre Studie heranziehen können, gibt es unter anderem Seiten wie z. B. http://zis.gesis.org/ZisApplication/, auf denen Sie eine gute Auswahl von Items und Skalen für die sozialwissenschaftliche Forschung finden.

Beispiel für die Operationalisierung des Konstrukts Abenteuerlust (Konstruktliste, erste Zeile):

Beispiel Konstruktliste

4 Ergebnisse der Studie

Die in Kapitel 2 formulierten Forschungsfragen oder Forschungshypothesen müssen in diesem Kapitel durch eine geeignet durchgeführte Untersuchung und Datenanalyse systematisch überprüft werden. Eventuell weitere Befunde sind zu dokumentieren. Die Güte der eigenen Forschung ist mit den jeweils relevanten Gütekriterien zu begründen.

Hinweis: Es dürfen keine Software-Outputs als Screenshots in die Arbeit eingefügt verwendet werden, d.h. die Tabellen und Grafiken sind in angemessener Form selbst zu erstellen. Die dargestellten Ergebnisse müssen interpretiert werden. Achten Sie darauf, dass die Ergebnisse nicht nur im Fließtext auftauchen, sondern in ansprechender und übersichtlicher Form z. B. Mit Tabellen oder Abbildungen dargestellt werden.

Vermeiden Sie Datenfriedhöfe.

=> Tips zur Datenauswertung

=> Anleitung zur Strukturgleichungsmodellierung

5 Fazit

Hier ist auf die in Kapitel 1. Formulierte Problemstellung eine Antwort zu geben. Es sind konkrete Handlungsempfehlungen zu formulieren.

Genau betrachtet besteht das Fazit aus mehreren Teilen:

  1. Zusammenfassung der Ergebnisse,
  2. Formulierung von Antworten auf die Fragen, die im Rahmen der Zielsetzung und der Problemstellung formuliert worden sind,
  3. Formulierung von Handlungsempfehlungen und
  4. ggf. Nennung von offen gebliebenen Aspekten und von Ansatzpunkten für weiterführende Forschung.

V Anhang (Fragebogen und eventuell verwendetes Werbematerial)

Anmerkung 1:

Ein Fragebogen hat immer einen Einleitungstext. Um Verzerrungseffekte zu vermeiden wird empfohlen folgende Bausteine unbedingt in den Einleitungstext mit aufzunehmen:

Guten Tag,

herzlichen Dank für Ihre Bereitschaft, an der Befragung XYZ teilzunehmen.

Die Untersuchung findet im Rahmen von XYZ an der FOM Hochschule statt. Das Ausfüllen des Fragebogens dauert ca. X Minuten. Alle Informationen werden anonym erhoben und vertraulich behandelt. Die Datenerhebung und Auswertung erfolgten ausschließlich zu wissenschaftlichen Forschungszwecken. Bitte antworten Sie jeweils entsprechend Ihrer persönlichen Meinung – es gibt keine richtigen oder falschen Antworten.

Wenn Sie eine Frage nicht beantworten können oder wollen, dann lassen Sie die entsprechenden Felder leer. Die Fragen können überwiegend auf einer Antwortskala von 1 = „stimme überhaupt nicht zu“ bis 7 = „stimme voll und ganz zu“ beantwortet werden. Mit den Werten dazwischen können Sie Ihr Urteil entsprechend abstufen.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Anmerkung 2:

Sollten Sie für Ihre Befragung Likert-Skalen verwenden, können/sollten Sie die Skala wie folgt gestalten (In SosciSurvey ist diese Darstellung unter „Skala mit Zwischenwerte beschriftet“ zu finden):

Beispiel Skala im Fragebogen

Anmerkung 3:

Beim Alter fragen Sie bitte immer direkt nach dem Alter und nicht nach Altersgruppen.

Anmerkung 4:

Sollten Sie für Ihre Studie einen Online Fragebogen verwenden, lassen Sie sich auf der Startseite, nach der Einleitung folgendes bestätigen: „Hiermit bestätige ich, dass meine Daten anonymisiert und aggregiert verarbeitet werden dürfen. Mir ist bekannt, dass keine Rückschlüsse auf meine Person möglich sind, sowie dass ich freiwillig an der Studie teilnehme und diese jederzeit ohne negative Folgen für meine Person abbrechen kann.“

VI Literaturverzeichnis (immer zum Schluss)