Leitfaden wissenschafltiches Arbeiten

© Prof. Dr. Oliver A. Gansser | | www.gansser.de

Stand: April 2021

Änderungen vorbehalten

Anmerkung: Dieser Leitfaden ersetzt nicht das Lesen der Pflichtliteratur, sondern dient lediglich einem groben und schnellen Überblick über die Vorgehensweise beim wissenschaftlichen Arbeiten.

0.2 Thema der Arbeit

Grundsätzlich sollte das Thema eine aus der Praxis abgeleitete Problemstellung beinhalten, dessen Lösung von vornherein nicht trivial ist. Trivial ist z. B. die Erstellung eine Marketingplanes für das eigene Unternehmen oder irgendwelche anderen praktischen Problemstellungen die normalerweise vom Unternehmen gelöst werden sollen. Bei der eigenen Problemstellung sollte es sich vielmehr um eine generelle Lösung handeln, die dann in der Praxis von Unternehmen in unterschiedlichen Branchen oder Stufen (bei Dienstleistungen) umgesetzt werden kann.

Grundsätzlich empfehle ich bei der Lösung von abgeleiteten Problemen aus der Praxis nicht die Zusammenarbeit mit einem Unternehmen, da dies die eigene Freiheit und Kreativität eingrenzt. Sollte die Zusammenarbeit mit einem Unternehmen gewünscht sein, bleibt oftmals nur die Möglichkeit die wissenschaftliche Arbeit von der Dokumentation für das Unternehmen zu trennen, da es für beide unterschiedliche Ansprüche gibt.

0.3 Grundlegendes zu wissenschaftlichem Arbeiten

  1. Die schriftliche Arbeit hat eine reine Mitteilungsfunktion, und ist kein Lehrbuch. Vermeiden Sie also Lehrbuchwissen und insbesondere Details zu mathematischen oder statistischen Verfahren, außer diese sind im Rahmen des Themas von Besonderem Interesse. Die Kapitel der Arbeit entsprechen der hier aufgeführten Systematik, so dass Sie sich im Voraus keine Gedanken über die Gliederung machen müssen. Wichtig ist der Inhalt.

  2. Während der Betreuung sind ständige Detailfragen nicht vorgesehen. Gefragt ist selbstständiges wissenschaftliches Arbeiten. Nutzen Sie die an der FOM angebotenen Seminare zur Bachelor- oder Masterthesis, um Ihren Arbeitsstand zu diskutieren.

  3. Bitte beachten Sie unbedingt die Hinweise zur Literaturrecherche.

0.3.1 Formales

  • Der Begriffsapparat ist möglichst knapp zu halten, eine theoretische Variable oder ein Indikator erhalten jeweils einen durchgängig gebrauchten Namen.
  • Aufgeblähten Pseudo-Wissenschaftsstil vermeiden. Einfach und konkret schreiben.
  • Auf Orthographie ist zu achten.
  • Eine zeitgemäß politisch korrekte, nichtdiskriminierende Sprache verwenden (z.B. Fachleute statt Fachmann), ohne die Lesbarkeit zu beeinträchtigen (nicht: “dass der/die Übersetzer/in seine/ihre Meinung”).
  • Möglichst neutrale, sachliche Formulierungen verwenden.
  • Übertreibungen (hype) vermeiden, Superlative nur sparsam und bei Bedarf einsetzen, da sie Widerspruch provozieren und die Arbeit unnötig anfechtbar machen.
  • Gedanke des Lesers anhand eines roten Fadens klar durch die Arbeit führen.
  • Bei der Themenentfaltung auf eine sachlogische Absatzgliederung achten und nicht jeden komplexen Satz zu einem eigenen Absatz machen. Auf der anderen Seite ab auch nicht zu lange Absätze formulieren.
  • Parenthesen (d.h. Einschübe in Klammern oder Gedankenstrichen) grundsätzlich nur in der Funktion einer Erklärung, eines Kommentars oder für Quellenangaben verwenden und nur so einsetzen, dass durch sie die Lesbarkeit und Textverständlichkeit erleichtert und nicht erschwert wird.
  • Modische Fremdwörter in der wissenschaftlichen Darstellung vermeiden.
  • Englischsprachige übliche Begriffe können in der Arbeit auch so verwendet werden, dann aber einheitlich und konsistent.
  • Weitschweifigkeiten und Stilschwankungen vermeiden.
  • Funktionsverbgefüge eher vermeiden (nicht: zur Anwendung bringen, sondern: anwenden). Hier wieder der Hinweis:

Wissenschaftliche Sprache ist einfach, klar, verständlich und eindeutig.

  • Spiegelstrichaufzählungen nicht in einen Satz einbetten, sondern ggf. an einen Doppelpunkt anschließen. Vor dem Doppelpunkt kann dann auch zitiert werden.
  • Alle Wörter und Silben aus dem Text entfernen, die an der beabsichtigten Aussage nichts ändern (z.B. nicht Abminderung sondern Minderung; nicht beinhaltet, sondern enthält; nicht nicht unwesentlich beeinflusst sondern wesentlich beeinflusst).
  • Zu viele Querverweisen führen zum Verlust des Roten Fadens.
  • Texte in Fußnoten sind zu vermeiden. Entweder ist der Text relevant oder er ist unwichtig. Dies hat nichts mit der Zitierweise zu tun.
  • Abkürzungen sind möglichst zu vermeiden (außer für häufig verwendete längere Termini).
  • Texte sind 1 1/2-zeilig zu schreiben (sonstige Formatierung, z. B. Seitenabstand, Schriftart ist egal, sollte aber in jedem Fall der guten Lesbarkeit dienen)
  • Seiten sind zu nummerieren.
  • Negativbefunde (Es kommt nicht das raus was Sie sich erwartet haben) werden ebenso bewertet wie Positivbefunde. Jedes Ergebnis ist gleich gut!
  • Der Text ist gut leserlich abzufassen (Formulierung, Satzbau, Abschnitte).
  • Bitte nicht in der ersten Person singular oder plural (Ich-Form oder Wir-Form) schreiben, sondern im Indikativ oder Passiv. Erste Person kann in Maßen zulässig sein zur Markierung eigener Positionen.
  • Auf keinen Fall in der dritten Person singular als Verweis auf sich selbst schreiben (nicht: “die Autorin/der Autor meint”).

0.3.2 Inhaltliches

  • Was nicht der Beantwortung der in der Einleitung formulierten Problemstellung oder Fragestellung dient, ist völlig überflüssig und hat in den weiteren Teilen der Arbeit nichts zu suchen.

  • In den Anhang können nur Fragebögen gestellt werden, keinesfalls jedoch Tabellen und Abbildungen, auf die im Text verwiesen wird, oder Computerauswertungen. Entweder sind Tabellen oder Abbildungen für die Ausführungen wichtig; oder sie sind es nicht, dann gehören sie auch nicht in den Anhang.

  • Empirische Arbeiten basieren auf Daten. Eine Arbeit, die nicht die adäquaten statistischen Analysen enthält, wird von vornherein nicht mit sehr gut bewertet. Ergebnisse sind in entsprechender Form darzustellen und zu interpretieren.

  • Wissenschaftliche Arbeiten, die benotet werden, sind Prüfungsunterlagen. Kein Dritter mit Ausnahme der Korrektoren hat Zugang und Einsichtmöglichkeit in die Texte.

  • Literaturverzeichnis und zitierte Literatur müssen übereinstimmen. Verwendete Literatur muss im Text entsprechend direkt oder indirekt zitiert werden. Zweitzitate sind zu vermeiden. Zweitzitate (die in jedem Fall zu vermeiden sind) bestehen darin, dass Quelle A aus Quelle B zitiert wird, ohne Quelle A selbst gelesen zu haben.

  • Längere Textpassagen aus anderen Texten sind nicht wörtlich zu zitieren (Ausnahme: Tabelle, Abbildung).

  • Texte sind nicht im Sportreporter-Stil abzufassen.

  • Begriffe wie Signifikanzniveau oder Hypothesen sind eindeutig definiert und müssen auch in diesem Sinne verwendet werden.

  • Auf logische, kohärente, widerspruchsfreie Darstellung in der gesamten Arbeit achten.

0.3.3 Grafik/Abbildungen/Tabellen

  • Abbildungen mit dem Fließtext an der entsprechenden Stelle verbal verknüpfen.
  • Abbildungen dienen zur einfacheren und übersichtlicheren Erfassung des geschriebenen Textes und wo eine verbale Darstellung alleine ungeeignet oder umständlich ist oder nicht ausreicht.
  • Keine Abbildungen verwenden, die lediglich schmückendes Beiwerk sind. -Abbildungen stets selbst erstellen und nicht einfach aus dem Internet oder einem Buch kopieren. Abbildungen sollen das eigene Geschriebene besser verdeutlichen und nicht eine Kopie aus einer anderen Quelle erklären.
  • Bei Abbildungen nach Möglichkeit Schwarz/Weiß-Strichzeichnungen verwenden.
  • Bei unvermeidlichen Grauflächen darauf achten, dass sie auch gedruckt noch differenzierbar sind.
  • Text und Abbildungsbeschriftungen nicht mit Grauflächen unterlegen.
  • Wo Text auf Grauflächen unvermeidbar ist, auf ausreichenden Kontrast und gute Lesbarkeit achten.
  • Abbildungsgröße so bemessen, dass das Wesentliche gut erkennbar ist - im Zweifel eher zu groß als zu klein.
  • Abbildungen einheitlich im Seitenlayout platzieren - vorzugsweise horizontal zentriert.
  • Die Linienbreite in den einzelnen Abbildungen möglichst einheitlich wählen.
  • Tabellen klar strukturieren und platzsparend formatieren.
  • Seitenumbruch innerhalb von Tabellen vermeiden. Hier ist eigenes Augenmaß und gesunder Menschenverstand gefragt.
  • Tabellen und Abbildungen auf keinen Fall quer auf die Seiten einfügen. Das macht das Lesen am Bildschirm völlig unmöglich. Hier ist die Kreativität des Schreibenden gefragt.
  • Abbildungen und Tabellen (automatisch) nummerieren und für die ganze Arbeit durchnummerieren (Abb. 1, Abb. 2 …. Abb. 54), nicht kapitelweise (Abb. 2-1, Abb. 2-2, … Abb. 4-1, … Abb. 4-15).
  • Abbildungen und Tabellen mit Titeln versehen und in separaten Verzeichnissen auflisten.
  • Abbildungen mit Anmerkungen/Notizen als Legende versehen (für Abkürzungen oder Erläuterungen von Inhalten).
  • Übereinstimmung der Verzeichnisse mit den tatsächlichen Platzierungen sicherstellen.
  • Bei Abbildungen, die nicht selbst erstellt oder durch Eigenleistung (z.B. durch Einarbeitung von Bezugspfeilen, Legenden) bearbeitet wurden, die Quelle angeben (im Abb.-Verzeichnis). Aber nur dann!

0.3.4 Zitierweise

Es dürfen im Literaturverzeichnis nur diejenigen Quellen aufgelistet sein, die in der Arbeit zitiert worden sind.

Umgekehrt müssen alle im Text zitierten Quellen auch im Literaturverzeichnis gelistet sein. Wörtliche Zitate sind zu vermeiden.

im Satz bzw. im Text: (vgl. Autor Jahr, S. …), oder … (Autor Jahr, S. …)

also z. B. (vgl. Huber 1999, S. 12) => Zitat sinngemäß (Huber 1999, S. 12) => Zitat wörtlich

mit Fußnoten

also z. B. 1 vgl. Huber 1999, S. 12. => Zitat sinngemäß 1 Huber 1999, S. 12. => Zitat wörtlich

für beide Zitierweisen gilt:

Wörtliche Zitate sind in Hochkommata zu setzen.
Sinngemäße Zitate sind durch das Vorausstellen von “vgl.” zu kennzeichnen. Wörtliche Zitate nicht.

Bei zwei Autoren (Autor1 und Autor1, S. XX) Bei mehr als zwei Autoren (Autor1 et al., S. XX)

Die Autoren sind so zu übernehmen, wie sie in dem zitierten Artikel auch namentlich genannt sind. Eine Veränderung der Reihenfolge ist nicht zulässig. Sollten Artikel von gleichen Autoren im gleichen Jahr zitiert werden sind dies mit a,b, etc. hinter der Jahreszahl zu versehen.

0.3.5 Literaturverzeichnis (Achtung: Es gibt nur ein Verzeichnis, das nicht untergliedert wird)

Abhängig von der Art der Quelle sind unterschiedliche Publikationen auch unterschiedliche im Literaturverzeichnis aufzunehmen:

Monographien:

Huber, A. (1999): Auswirkungen von Wärme auf das Wachstum von Gänseblümchen, 3. Auflage, München.

Texte aus Sammelbänden:

Müller, A. G.; Hauser, Z. (1955): Wärme und Wachstum, in: Albert, Z. V. (Hrsg.), Technik der Produktion, 2. Auflage, Hamburg, S. 12-22.

Texte aus Zeitschriften:

Zimmer, G.; Raum, A. (1972): Einkommen und Ernährung, in: Zeitschrift für die Hausfrau, Bd. 7 (oder Jg. 7 oder Vol. 7), Nr. 4, S. 13-17.

Das Literaturverzeichnis ist alphabetisch nach Autoren (ohne Unterteilung in Monographien, Zeitschriften usw.) anzulegen.

Sollte für eine Quelle kein Verweis auf einen Autor möglich sein, so ist dies folgendermaßen anzugeben:

o.V. (2012): Titel und Quelle.

Texte aus dem Internet:
Grundsätzlich sind Zitate aus dem Internet zu vermeiden, da hier meistens kein Autor angegeben ist. Alternativ könnte der Verantwortlich der Internetseite (Impressum) zitiert werden. Ansonsten o.V.

Grundsätzlich sollte man die Richtigkeit von Quellen ohne Autoren anzweifeln. In der Regel werden wissenschaftlich gehaltvolle Inhalte immer mit Angabe des Autors versehen.

0.4 Organisatorisches

  • Prüfungsunterlagen zu wissenschaftlichen Arbeiten bitte nur in elektronischer Form abgeben (uploaden).

  • Die Arbeit gilt nur als abgegeben, wenn Sie zwei Dateien fristgerecht hochladen:

Die Arbeit (als PDF),

Eine Zip-Datei mit den Rohdaten (als .Rdata und als .csv), dem Codebook (in Soscisurvey: Variablen-Übersicht/Drucken als PDF) mit nachvollziehbarer Codierung der Variablen im Datensatz, dem R-Skript und den PDFs mit den flüchtigen Quellen (Websiten).

0.4.1 Meetings

Während der Betreuung der Abschlussarbeit gibt es im Idealfall 3 Meetings:

  1. Zum Kickoff-Meeting bringen Sie bitte Ihr Konzept ausgedruckt und die wesentliche Literatur für Ihre Arbeit (Fachartikel) mit. Ein Vorschlag ohne umfangreiche vorherige Literaturrecherche wird abgelehnt.
  2. Meeting für die Genehmigung des Designs der Studie, ggf. mit Fragebogen.
  3. Datensichtung und Besprechung der weiteren Vorgehensweise nach Beendigung der Erhebungsphase.

Für eine Abschlussarbeit ist ein ein- bis zweiseitiges Konzept einzureichen, das stichpunktartig die

Problemstellung (s. u.)

geeignete theoretische Erklärungsansätze (aus Fachzeitschriften),

Literatur (Fachzeitschriften) und

ein Grobkonzept mit der verwendeten Methodik.

beinhaltet.

Eine Idee (“Ich habe mir folgendes überlegt”) eignet sich nicht für ein Kickoff-Meeting. Ihre eigenen Überlegungen sind in dieser Phase nur relevant, wenn Sie sich vorher in der relevanten Fachliteratur eingelesen haben.

0.4.2 Bewertung der Qualität der Arbeit

Sie bemisst sich daran, inwieweit die Problemstellung durch die Arbeit beantwortet werden kann.

  1. Inwieweit wurden die Vorgaben aus dem Leitfaden sinnvoll umgesetzt?
  2. Weist die Arbeit einen „roten Faden“ auf?
  3. Inwieweit wurde der Stand der Forschung adäquat dargestellt?
  4. Inwieweit wurden anhand theoriebasierter Überlegungen Hypotheses abgeleitet?
  5. Inwieweit eignet sich die durchgeführte Studie zur Klärung der zentralen Problemstellung/Forschungsfrage?
  6. Wurden für die Überprüfung der Hypothesen die Konstrukte adäquat operationalisiert?
  7. Wurden geeignete wissenschaftliche Methoden zur Lösung der Problemstellung angewendet?
  8. Wurden die Ergebnisse interpretiert und in den Stand der Forschung sowie den Theoretischen Überlegungen eingeordnet?
  9. Wurden geeignete Literaturquellen in angemessenem Umfang zitiert?
  10. Wie leserlich ist die Arbeit? (Stil, Form, Rechtschreibung, Zitierweise, Zeichensetzung)

0.4.3 Kolloquium

Wenn Sie die schriftliche Arbeit durch die Begutachtung bestanden haben, dann werden Sie zum Kolloquium eingeladen. Diese Einladung erfolgt, wenn beide Gutachter die Arbeit korrigiert haben und mindestens mit einer 4,0 bewertet haben. Das Kolloquium setzt sich zusammen aus einer Kurzpräsentation (15 min) und einem anschließenden Fachgespräch.

Tipps zum Kolloquium:

  • Mögliche Gliederung Ihrer Kurzpräsentation: Problemstellung, Forschungsfrage, Vorgehensweise, Methodik, Studiendesign, Ergebnisse, Projektplan, Literaturbasis

  • Visualisieren Sie Ihre Inhalte! (Keine reinen Textfolien)

  • Denken Sie daran, dass Ihre Präsentation als Diskussionsgrundlage für den weitere Verlauf des Kolloquiums dient.

0.5 Gliederung, Aufbau und Inhalt der Arbeit

Die Gliederung ist an die Gliederung der meisten wissenschaftlichen Veröffentlichungen im Bereich Marketing angelehnt und sollte daher unbedingt eingehalten werden. Änderungen sind mit mir abzusprechen.

  • Darauf achten, dass die durch Gliederungsüberschriften geweckten Erwartungen durch den zugehörigen Text erfüllt werden.
  • Die Gliederung soll dekadisch sein, also 1., 2., 2.1, 2.2, 2.2.1, …
  • Überschriften entweder nicht oder durch Fettdruck oder größere Schrift hervorheben.
  • Zur Hervorhebung von Überschriften weder Kursivschrift noch Unterstreichung noch Sperrung noch eine Mischung verschiedener Schriften verwenden.
  • Überschriften dürfen serifenlos sein (z.B. Arial), wenn der Fließtext serifenbetont ist (z.B. Times New Roman); der umgekehrte Fall ist unüblich.

Die nachfolgenden Gliederung is die Gliederung wie sie üblich ist in wissenschaftlichen Publikationen in den Sozialwissenschaften. Diese Gliederung empfehle ich auch für Haus-, Seminar-, Projekt- und Abschlussarbeiten.

I Inhaltsverzeichnis
II Abbildungsverzeichnis
III Tabellenverzeichnis
IV Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

Schreiben Sie die Einleitung zuerst!

Wenn Sie die Einleitung am Schluss schreiben, dann kann es passieren, dass sie wesentliche Aspekte bezüglich Ihres Forschungsthemas vergessen. Über den Inhalt, also Ihren Untersuchungsgegenstand sollten Sie am Ende Ihrer Arbeit nicht mehr wissen als zu dem Zeitpunkt, zu welchem Sie mit dem Schreiben beginnen.

Nach dem Titel und dem Abstract (nur wenn vorhanden), ist die Einleitung die erste wirkliche Interaktion des Lesers mit Ihrer Forschungsarbeit. In der Einleitung werden die darin aufgestellten Regeln logisch auf alle Teile Ihrer Arbeit angewendet, bis hin zur Diskussion.

In der Einleitung sollten zwei wesentliche Fragen beantwortet werden:

  1. Was ist die Forschungslücke und warum sollte sie geschlossen werden?

  2. Wie kann mit der Studie die Forschungslücke geschlossen werden?

Die Einleitung ist der kompakteste Teil der Arbeit und umfasst ca. 5 Prozent vom Gesamtumfang. Inhalt der Einleitung ist die Hintergrundinformation zum Forschungsthema:

  1. Was ist bekannt,

Geben Sie gleich am Anfang ein aussagekräftiges Statement, das Ihr Forschungsthema widerspiegelt. Geben Sie das Thema und die in Ihrer Studie untersuchten Probleme an. Stellen Sie Fragen, um das Ziel der Studie zu umrahmen.

Verwenden Sie Schlüsselwörter aus Ihrem Titel. Nennen Sie keine offensichtlichen oder allgemeinen Fakten über Ihr Thema - hochrelevante Informationen sind immer nützlicher. Stellen Sie sicher, dass Sie alle referenzierten Quellen zitieren. Geben Sie nur nützliche Hintergrundinformationen an. Geben Sie nur relevante, aktuelle Primärliteratur an, die Ihre Ausführungen zum aktuellen Wissensstand unterstützt.

  1. Was ist unbekannt

Heben Sie Bereiche mit zu wenig verfügbaren Informationen hervor. Erklären Sie, warum und wie Sie diese Lücke füllen können. Erläutern Sie, welche logischen Schritte auf Basis der vorhandenen Forschung entwickelt werden können.

Zeigen Sie, dass Sie aktuelle Daten geprüft und einen Plan erstellt haben. Zeigen Sie Ihr Bewusstsein für die Richtung Ihres Fachgebiets. Zeigen Sie Vertrauen in die Durchführung Ihrer Studie.

  1. Warum und wie (Gang der wissenschafltichen Arbeit) wollen Sie die Forschungslücke schließen.

Nennen Sie Zweck und Ziel der Studie. Welche nützlichen Erkenntnisse werden gewonnen?

Nochmal zur Erinnerung:

Schreiben Sie, wenn möglich, Aktivsätze. Schreiben Sie prägnante Sätze. Verwenden Sie starke Verben, wenn möglich. Verwenden Sie nicht zu viele Pronomen in der ersten Person. Gliedern Sie Ihre Gedanken vom Allgemeinen zum Speziellen.

Hinweis: Ziel einer wissenschafltichen Arbeit ist nicht das Lösen von praktischen Aufgabestellungen. Ein Problem das von vorneherein trivial zu lösen ist (Bspw. ein Marketingplan, oder eine Marketingstrategie, oder eine Zufriendenheitsstudie) kann nicht Thema einer wissenschaftlichen Arbeit sein.

2 Theorie und Forschungsstand

Um das von Ihnen gewählte Thema zu verorten ist der Stand der Forschung darzulegen. Grundsätzlich gilt, dass Sie bei explorative und deskriptive Studien Ihre Forschungsfragen mit verweisen auf frühere Studien sowie Forschungslücken begründen und Forschungshypothesen in explanativen Studien meist aus Theorien ableiten (vgl. Döring und Bortz 2016, S. 163).

Zum Forschungsstand sind folgende Fragestellungen zu beantworten (vgl. Döring und Bortz 2016, S. 163 ff.):

Wie hat sich die Forschung zum Thema in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten entwickelt?
Welche zentralen Forschungslinien und Befunde zum Thema sind auszumachen?
Welche Anwendungsfelder hat die Forschung zu diesem Themengebiet?
Wie ist der Forschungsstand zum Thema insgesamt zu beurteilen?
Wie ordnet sich die eigene Studie in den Forschungsstand ein?

Für die Durchführung einer eigenen empirischen Studie ist es unabdingbar, auf etablierte theoretische Konzepte/Konstrukte und Modelle zurückzugreifen. Ziel ist es, das in der Problemstellung beobachtete Phänomen aus theoretischer Sicht zu erklären. Dazu müssen Sie durch Literaturrecherche etablierte Theorien, Modelle oder Heuristiken identifizieren und auf Ihre Problemstellung anwenden. Diese müssen nicht unmittelbar aus dem eigenen Forschungsgebiet stammen, sondern können aus anderen Disziplinen adaptiert werden. So kann bspw. die Prospect Theorie aus der Psychologie als Erklärungsansatz im Bereich Finanzierung oder für Verhaltensweisen in der Werbeforschung herangezogen werden. Ebenso kann z. B. die Theorie des Gefangendilemmas, eine Spieltheorie, für die Erklärung der Zusammenarbeit zwischen Organisationen herangezogen werden. Beachten Sie die verschiedenen Vorgehensweisen zur Erarbeitung des theoretischen Hintergrundes (vgl. Döring und Bortz, S. 166ff.):

Reine Theoriearbeit, die verschiedene mehr oder minder etablierte Theorien vergleichend und bewertend einander gegenüberstellt und späteren empirischen Studien als Grundlage dient,
Weiterentwicklung einer einzelnen Theorie auf der Basis empirischer Daten,
Formalisierung einer vorliegenden Theorie durch Computersimulation,
Verknüpfung mehrerer Theorien zu einem integrierten Theoriemodell,
gegenstandsverankerte Theoriebildung mithilfe qualitativer empirischer Methoden,
Entwicklung neuer Theorien mit unterschiedlichen, mehr oder minder systematischen Strategien.

Ausgehend vom theoretischen Hintergrund leiten Sie Forschungsfragen oder
Forschungshypothesen ab. Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Typen von Hypothesen: Unterschiedshypothesen, Zusammenhangshypothesen, Veränderungshypothesen sowie Hypothesen in Einzelfall-Untersuchungen.

3 Methode

3.1 Untersuchungsdesign

Hier soll die methodische Vorgehensweise erläutert werden und die Auswahl einer bestimmten Methode soll begründet werden. Das Untersuchungsdesign der Studie ist zu beschreiben.

=> Übersicht Forschungsmethoden => Repetitorium für wissenschaftliches Arbeiten und Datenanalyse

3.2 Stichprobenbeschreibung

Es ist mindestens anzugeben und zu begründen:

Datenquelle,
Erhebungszeitpunkt,
Erhebungsort,
Stichprobengröße,
Stichprobenzusammensetzung,
Verwendete Skalen (für die Indikatoren bzw. Items).

3.3 Operationalisierung der Modellvariablen

Zur Messung der Modellkonstrukte sollten, wenn möglich keine Statements selbst formuliert werden, sondern Statements aus anderen Studien, unter Angabe der Quellen, übernommen werden. Wenn Sie selbst Items formulieren, sollen diese durch eine Vorstudie auf Validität und Reliabilität überprüft werden. Details sind zu vereinbaren. Idealerweise legen Sie sich eine Liste mit den in der Studie verwendeten Konstrukten an (Konstruktliste) mit der dazugehörigen Quelle und der Reliabilität der Items.

Wenn Sie aus Ihren Quellen zur Theorie und aus dem Stand der Forschung keine geeigneten Items für Ihre Studie heranziehen können, gibt es unter anderem Seiten wie z. B. http://zis.gesis.org/ZisApplication/, auf denen Sie eine gute Auswahl von Items und Skalen für die sozialwissenschaftliche Forschung finden.

Beispiel für die Operationalisierung des Konstrukts Abenteuerlust (Konstruktliste, erste Zeile):

Beispiel Konstruktliste

Es kann vorkommen, dass die Konstuke die Sie aus der Literatur verwenden unterschiedlich skaliert sind. In der Regel schwanken die Skalen zwischen 5 und 7 Skalenstufen. In der eigenen Studie ist es wichtig, dass die Skalierung einheitlich ist. Dies hat verschiedene Gründe:

  1. Die Deskriptive Statistik (Mittelwerte und Standardabweichungen) ist einfacher lesbar/vergleichbar.

  2. Ich empfehle immer eine 7stufige Skalierung (siehe unten als Beispiel), da die Streuung bei den Antworten größer ist als mit einer kleineren Skalierung. Zudem hat die 7stufige Skala den Vorteil, dass es eine “Mitte” gibt. D. h. Personen die die Mitte ankreuzen wollen, haben hier die Möglichkeit. Bei 6stufiger Skala wird die APN zwar zu einer Tendenz gezwungen vll. ist dies aber von der Person nicht die Aussage die sie treffen will. Damit könnte man ggf. auch falsche Antworten provozieren. D. h. lieber einer Skala mit einer “Mitte” verwenden.

Achtung: In der wissenschaftlichen Arbeit ist die jeweilige Formatierung zu verwenden die von Ihnen gefordert wird. Die Tabelle oben ist eine Kopie aus Excel muss für eine wiss. Arbeit noch formatiert werden. Ggf. können die Ergebnisse auch anders dargestellt werden. Zumindest ist die Konstruktliste aber wichtig, um eine Übersicht der in der Studie verwendeten Items und Konstrukte zu bekommen.

Anmerkung 1:

Ein Fragebogen hat immer einen Einleitungstext. Um Verzerrungseffekte zu vermeiden wird empfohlen folgende Bausteine unbedingt in den Einleitungstext mit aufzunehmen:

Guten Tag,

herzlichen Dank für Ihre Bereitschaft, an der Befragung XYZ teilzunehmen.

Die Untersuchung findet im Rahmen von XYZ an der FOM Hochschule statt. Das Ausfüllen des Fragebogens dauert ca. X Minuten. Alle Informationen werden anonym erhoben und vertraulich behandelt. Die Datenerhebung und Auswertung erfolgten ausschließlich zu wissenschaftlichen Forschungszwecken. Bitte antworten Sie jeweils entsprechend Ihrer persönlichen Meinung – es gibt keine richtigen oder falschen Antworten.

Wenn Sie eine Frage nicht beantworten können oder wollen, dann lassen Sie die entsprechenden Felder leer. Die Fragen können überwiegend auf einer Antwortskala von 1 = „stimme überhaupt nicht zu“ bis 7 = „stimme voll und ganz zu“ beantwortet werden. Mit den Werten dazwischen können Sie Ihr Urteil entsprechend abstufen.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Anmerkung 2:

Sollten Sie für Ihre Befragung Likert-Skalen verwenden, können/sollten Sie die Skala wie folgt gestalten (In SosciSurvey ist diese Darstellung unter „Skala mit Zwischenwerte beschriftet“ zu finden):

Beispiel Skala im Fragebogen

Wählen Sie bei der Darstellung die Einstellung “dynamisch”.

Anmerkung 3:

Beim Alter fragen Sie bitte immer direkt nach dem Alter und nicht nach Altersgruppen.

Anmerkung 4:

Sollten Sie für Ihre Studie einen Online Fragebogen verwenden, lassen Sie sich auf der Startseite, nach der Einleitung folgendes bestätigen: „Hiermit bestätige ich, dass meine Daten anonymisiert und aggregiert verarbeitet werden dürfen. Mir ist bekannt, dass keine Rückschlüsse auf meine Person möglich sind, sowie dass ich freiwillig an der Studie teilnehme und diese jederzeit ohne negative Folgen für meine Person abbrechen kann.“

Anmerkung 5

Achten Sie darauf, dass die Seiten die die Auskunftsperson sieht nicht zu voll ist und möglichst wenig gescrollt werden muss. Sollten Sie Bilder verwenden, skalieren Sie diese so, dass sie auf der Seite sichtbar sind und trotzdem noch Fragen dazu beantwortet werden können, so dass gleichzeitig auch das Bild sichtbar ist.

Anmerkung 6

Testen Sie Ihren Fragebogen auf Klarheit und Logik. Machen Sie den “Oma-Test” oder den “KollegInnen-Test”. Fragen Sie nach dem Test, ob alle Fragen klar beantwortet werden können und fragen Sie, ob die Fragen auch eindeutig zu verstehen sind und nicht ambivalent interpretiert werden können.

4 Ergebnisse der Studie

Die in Kapitel 2 formulierten Forschungsfragen oder Forschungshypothesen müssen in diesem Kapitel durch eine geeignet durchgeführte Untersuchung und Datenanalyse systematisch überprüft werden. Eventuell weitere Befunde sind zu dokumentieren. Die Güte der eigenen Forschung ist mit den jeweils relevanten Gütekriterien zu begründen.

Hinweis: Es dürfen keine Software-Outputs als Screenshots in die Arbeit eingefügt verwendet werden, d.h. die Tabellen und Grafiken sind in angemessener Form selbst zu erstellen. Die dargestellten Ergebnisse müssen interpretiert werden. Achten Sie darauf, dass die Ergebnisse nicht nur im Fließtext auftauchen, sondern in ansprechender und übersichtlicher Form z. B. Mit Tabellen oder Abbildungen dargestellt werden.

Vermeiden Sie Datenfriedhöfe.

=> Tips zur Datenauswertung

=> Anleitung zur Strukturgleichungsmodellierung

5 Fazit (Alternativ Diskussion)

Hier ist auf die in Kapitel 1. Formulierte Problemstellung eine Antwort zu geben. Es sind konkrete Handlungsempfehlungen zu formulieren.

Genau betrachtet besteht das Fazit aus mehreren Teilen:

  1. Zusammenfassung der Ergebnisse,
  2. Formulierung von Antworten auf die Fragen, die im Rahmen der Zielsetzung und der Problemstellung formuliert worden sind,
  3. Formulierung von Handlungsempfehlungen und
  4. ggf. Nennung von offen gebliebenen Aspekten und von Ansatzpunkten für weiterführende Forschung.

Konkret bedeutet dies:

  • Beschreiben Sie die Art der Wissenslücke nochmals, die Sie mit den Ergebnissen Ihrer Studie zu schließen versuchen.
  • Erläutern Sie, warum diese spezielle Studie notwendig war, um die von Ihnen festgestellte Lücke zu schließen, und warum diese Lücke überhaupt gefüllt werden musste.
  • Beantworten Sie jede der Forschungsfrage, die Sie in Ihrer Einleitung gestellt haben, und erklären Sie, wie Ihre Ergebnisse (auch die nicht signifikanten) diese Schlussfolgerungen unterstützen.
  • Fokusieren Sie sich auf die Bedeutung der bemerkenswertesten Ergebnisse.
  • Wenn aus Ihren Ergebnissen widersprüchliche Schlussfolgerungen gezogen werden können, bewerten Sie die Vorzüge aller dieser Schlussfolgerungen.
  • Wiederholen Sie nicht, was Sie zuvor im Abschnitt Ergebnisse gesagt haben. Diskutieren Sie stattdessen Ihre Ergebnisse im Kontext der Beantwortung Ihrer Hypothesen.
  • Stimmen Ihre Schlussfolgerungen mit der vorhandenen Literatur und den für die Hypothesen abgeleiteten Theorien überein?
  • Gehen Sie auf eventuelle Einschränkungen Ihrer Studie ein und erläutern Sie, inwiefern diese für die Interpretation Ihrer Ergebnisse und die Validierung Ihrer Erkenntnisse relevant sind.
  • Achten Sie darauf, Schwachstellen in Ihren Schlussfolgerungen anzuerkennen und schlagen Sie Raum für weitere Forschung zu diesem Aspekt Ihrer Analyse vor.
  • Achten Sie darauf, dass es sich bei Ihren Vorschlägen nicht um solche handelt, die während Ihrer Forschung hätten durchgeführt werden sollen! Dies könnte Fragen zu Ihrem ursprünglichen Forschungsdesign aufwerfen.
  • Beantworten Sie wie Ihre Forschung die Wissensbasis erweitert und andere dazu inspiriert, weitere Forschung zu betreiben.
  • Empfehlen Sie nächste Schritte (max. zwei), welche auf Ihrem vermittelten Wissen und Ihren Ergebnissen aufbaut.

V Anhang (Fragebogen und eventuell verwendetes Werbematerial)

VI Literaturverzeichnis (immer zum Schluss)